Feierliche Eröffnung der Wunsiedler Kellergasse - Geschichte unter der Erde neu erlebbar
Die neu gestaltete Wunsiedler Kellergasse ist offiziell eröffnet. Nach mehreren Jahren umfassender Sanierung können Besucherinnen und Besucher nun die historischen Keller erkunden und Geschichte, Handwerkskunst und Natur hautnah erleben.
„Die Kellergasse ist ein Stück lebendige Stadtgeschichte“, betont Erster Bürgermeister Nicolas Lahovnik. „Sie verbindet unsere Wurzeln mit der Zukunft – als Ort der Erinnerung, der Begegnung und des Naturschutzes. Dank der Unterstützung vieler Partnerinnen und Partner ist es gelungen, diesen einzigartigen Ort nachhaltig zu sichern und für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen.“
Über mehrere Bauabschnitte hinweg wurden die teils jahrhundertealten Keller denkmalgerecht saniert, barrierefrei zugänglich gemacht und für Führungen miteinander verbunden. Insgesamt sind nun rund 900 Meter der unterirdischen Gänge begehbar. Neben der Erhaltung der historischen Strukturen spielte auch der Schutz der dort lebenden Fledermäuse eine zentrale Rolle. Die Koordination des Projekts lag bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Wunsiedel.
Das Gesamtprojekt mit einem Volumen von rund 2 Millionen Euro wurde durch Fördermittel aus dem EU-Programm INTERREG Bayern–Tschechien, vom Freistaat Bayern, der Oberfrankenstiftung, dem Landkreis Wunsiedel sowie durch private Spender, unter anderem organisiert durch das Bürgerforum, finanziert. Für dieses vorbildliche Zusammenspiel von Denkmalschutz, Naturschutz und Bürgerengagement erhielt die Stadt 2022 den 2. Platz beim Bayerischen Biodiversitätspreis. Ein herzlicher Dank geht an alle Förderer, Sponsoren und Eigentümer, die diese Sanierung möglich gemacht haben!
„Die Wunsiedler Kellergasse zeigt eindrucksvoll, was entsteht, wenn alle an einem Strang ziehen“, so stellvertretender Landrat Roland Schöffel. „Hier wurde Geschichte bewahrt und zugleich ein Ort geschaffen, der Identität stiftet, Wissen vermittelt und Gäste aus nah und fern begeistert.“
Ab April können Besucherinnen und Besucher bei einer spannenden Führung mit Projekt-Spezialist Stefan Schürmann oder Geopark-Rangerin Christine Roth tief unter die Erde Wunsiedels vordringen und Geschichte hautnah erleben.
Die Geschichte der Kellergasse reicht bis ins Jahr 1832 zurück, als mit dem Bau der ersten Bierkeller begonnen wurde. Bereits zwei Jahre später zählte Wunsiedel 32 Lagerräume, die dank der Erfindung untergäriger Biere wie Pils benötigt wurden. Auf nur wenigen hundert Metern reihen sich heute 53 Keller aneinander – so viele wie nirgendwo sonst in Bayern. Während auf der Bergseite die tiefen Bierkeller lagen, entstanden gegenüber die kürzeren Kartoffelkeller.
Mit der Erfindung der Kältemaschine im Jahr 1876 endete die Bierkeller-Tradition vielerorts. In Wunsiedel aber blieb sie bis zur Auflösung der Kommunbrauerei 1918 lebendig und noch bis in die 1990er Jahre wurden die Keller als Lager für Kartoffeln und Rüben genutzt. Besonders spannend: Im Zweiten Weltkrieg wurden mehrere Keller (Nrn. 7–13) als Luftschutzbunker verbunden. Diese historischen Gänge wurden im Zuge der Sanierung wieder geöffnet, sodass heute ein Teil der Führung vollständig unterirdisch verläuft. Taschenlampen sind daher Pflicht!
Wichtige Hinweise für Besucherinnen und Besucher:
- Temperatur: ganzjährig ca. 8 °C – bitte warme Kleidung tragen.
- Gelände: teils steile, unebene Stufen, abschüssige Passagen und niedrige Durchgänge – festes Schuhwerk ist unerlässlich.
- Barrierearme Führungen: spezielle Touren mit flacheren Einstiegen, einige Keller sind mit Rollator oder Rollstuhl befahrbar (Begleitperson erforderlich).
- Während der Führung ist ein Verlassen der Keller nur gemeinsam mit der Gruppe möglich.
Weitere Informationen und Buchungen erhalten Sie in der Tourist-Information Wunsiedel: Maximilianstraße 9, 95632 Wunsiedel, E-Mail: touristinfo@wunsiedel.de, Telefon: 09232 602 162.